Zoo Osnabrück: 50.000 Euro für Umbau der Mönchsgeiervoliere

Foto: Simon Pannock / zoogast.de

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Mit 50.000 Euro fördert die Haarmann Stiftung Umwelt und Natur den Umbau der Mönchsgeiervoliere im Zoo Osnabrück. Nach dem Umbau sollen die Mönchsgeier mit Waldrappen, eine ebenfalls bedrohte Vogelart, vergesellschaftet werden.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit dieser Förderung dem Zoo Osnabrück helfen können, die Tierhaltung weiter zu verbessern. Die Tatsache, dass es sich auch noch um eine bedrohte Tierart handelt, bei der der Zoo sich an einem Zuchtprogramm inklusive Wiederauswilderungsmaßnahmen beteiligt, ist für uns als Natur- und Umweltstiftung natürlich besonders bedeutend“, berichtete Antonius Fahnemann, Vorstandsvorsitzender der Haarmann Stiftung. Er überreichte am heutigen Freitag den Vertretern des Osnabrücker Zoos den symbolischen Spendenscheck über 50.000 Euro. Seit der Gründung 2004 hat sich die Haarmann Stiftung Umwelt und Natur zur Aufgabe gemacht, Projekte des Landschafts-, Tier- und Naturschutzes zu unterstützen. Hierzu zählen zumeist Renaturierungsprojekte oder Projekte, die Biotope schaffen und erhalten. „Wir können hier im Zoo der Natur doppelt helfen: Wir unterstützen beim Erhalt einer Tierart und die Zoopädagogen können Zoobesucher mithilfe der Mönchsgeier auf ihre Bedrohung auch durch uns Menschen aufmerksam machen“, so Fahnemann weiter.

Zoogeschäftsführer Andreas Busemann bedankte sich bei der Stiftung: „Ohne die 50.000 Euro der Stiftung wäre der dringend notwendige Umbau zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Da wir uns so gut wie selbst über Eintrittsgelder, Spenden und Sponsoring finanzieren müssen, sind wir auf Förderungen angewiesen. Insbesondere bei Bauprojekten ist eine derartige Unterstützung besonders wichtig und dankenswert.“

Nachzucht und Auswilderung

Mönchsgeier werden von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „gering gefährdet“ eingestuft. Sie sind in Südeuropa und Zentralasien beheimatet. Vor allem in Europa sind sie in vielen Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets beinahe oder gänzlich verschwunden. Zwischen 7.200 und 10.000 Paare soll es in der Natur laut IUCN noch geben. Der Zoo Osnabrück beteiligt sich sowohl an dem europaweiten Zuchtbuch der zoologischen Gärten für Mönchsgeier als auch an einem Auswilderungsprojekt. Für viele Tierarten führen Zoos sogenannte Zuchtbücher, in denen pro Tierart jeweils ein Zuchtbuchkoordinator nach wissenschaftlichen Standards alle für die Zucht relevanten Tierdaten aus sich beteiligenden Zoos festhält. Auf Grundlage dieser Daten werden neue Zuchtpaare zusammen gebracht. Je nach Charakter des Tieres werden Zuchtpaare einander zugeordnet oder die Individuen in sogenannte Verpaarungsvolieren gesetzt, in denen sie sich ihren Partner selber aussuchen können. „Mit dem Umbau wollen wir den Tieren nicht nur mehr Platz geben, sondern auch optimale Brutbedingungen schaffen“, so Zoodirektor Prof. Michael Böer. „Denn wir wollen so bald wie möglich wieder mit der bedrohten Tierart züchten und damit den Erhalt dieser Tierart unterstützen.“ Dem Zoo Osnabrück war die Nachzucht bei den Mönchsgeiern bereits einige Male gelungen, zuletzt 2012. „Wir konnten sogar schon zwei Mal Nachwuchs aus unserem Zoo auswildern: in Spanien und in Frankreich“, so der Zoodirektor.

Mehr als doppelt so viel Platz
Der Umbau der Voliere soll möglichst bald starten. „Wir werden sie merklich vergrößern – die Mönchsgeier werden nach dem Umbau mehr als doppelt so viel Platz haben“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Vogelkurator im Zoo Osnabrück. „Die Fläche links neben der Geiervoliere, auf der momentan die beiden Trauerschwäne und ein Storch leben, kommt noch hinzu“. Die Voliere werde über sechs Meter hoch sein und das Dach solle zu einem hohen Flachdach umgebaut werden, damit die Greifvögel noch mehr Kubikmeter zur Verfügung haben und auch fliegen können. Außerdem sei geplant die Anlage umzugestalten. „Wir werden auch den Horst erneuern, dann haben sie einen schönen neuen Brutplatz“, freut sich der Biologe auf das Ergebnis. Bedauerlicherweise verstarb das Zuchtweibchen des Osnabrücker Zoos vor wenigen Wochen. Der Zootierarzt hatte einen bösartigen Bindegewebstumor festgestellt und bei der Operation verschied das rund 20 Jahre alte Geierweibchen. Das 28 Jahre alte Geiermännchen lebt derzeit alleine in der Voliere. Der Zoo Osnabrück steht in engem Kontakt mit der Zuchtbuchkoordinatorin und hofft darauf, nach dem Umbau ein neues Mönchsgeierweibchen oder ein neues Zuchtpaar zu bekommen. „Wir werden außerdem die Mönchsgeier voraussichtlich mit Waldrappen vergesellschaften, das wäre eine neue bedrohte Tierart bei uns am Schölerberg“, erklärt Wulftange. Waldrappen sind etwa gänsegroße Ibisse, die vom Aussterben bedroht sind. Wie die Mönchsgeier waren sie ursprünglich in Europa beheimatet, wurden aber vom Menschen verdrängt und in einigen Gebieten vollständig ausgerottet.

Der Umbau der Mönchsgeiervoliere soll bis zum Sommer 2017 abgeschlossen sein.

Quelle: PM Zoo Osnabrück