Zoo Osnabrück: Erstmals doppelter Seehundnachwuchs

Foto: Zoo Osnabrück/Theresa Niehaus

Foto: Zoo Osnabrück/Theresa Niehaus

Zum ersten Mal schwimmen im Osnabrücker Zoo gleichzeitig zwei Seehundjunge mit ihren Müttern durchs Wasser. Die beiden Halbschwestern Imke und Rieke kamen in einem Abstand von zehn Tagen zur Welt.

Nach der Geburt des Seehunds Imke im Osnabrücker Zoo am 26. Juni kam am vergangenen Montag nur zehn Tage später die kleine Halbschwester Rieke zur Welt. Was für Imkes Mutter Biene schon beinahe Routine war, war für Riekes Mutter Alice neu: Biene ist bereits Dreifachmutter, für Alice war es die erste Geburt. „Bei erstgebärenden Seehunden sind die Pfleger besonders wachsam“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Osnabrück. Nicht die Geburt an sich müsse aufmerksam verfolgt werden, sondern vielmehr das Verhalten der Tiere danach, denn erstgebärenden Seehunden fällt die Jungenaufzucht meist schwerer als erfahrenen Muttertieren. „Alice war auch tatsächlich am ersten Tag nervöser als Biene – das hat sich aber gelegt und beide Mütter und die Jungtiere machen sich richtig gut“, freut sich Wulftange.

„Den Nachwuchs kann man sehr gut auseinander halten“, erklärt der Biologe und gelernte Tierpfleger. „Imke ist bereits deutlich größer als ihre zehn Tage jüngere Halbschwester Rieke. Schon bei der Geburt war Imke überdurchschnittlich groß und zudem kann man neugeborenen Seehunden praktisch beim Wachsen zusehen – innerhalb der ersten vier Wochen verdoppeln sie beinahe ihr Geburtsgewicht von etwa 10 bis 12 Kilogramm.“ Seehundjunge können in kurzer Zeit viel Gewicht zunehmen, weil die Muttermilch von Seehunden 45 Prozent Fett enthält – das Zehnfache von Kuhmilch. Die schnelle Gewichtszunahme ist wichtig für die Tiere, wenn sie nach den ersten vier bis fünf Wochen auf Fisch umsteigen. Denn Fisch zu fangen und zu fressen müssen sie erst lernen und daher nehmen sie in dieser Zeit wieder viel ab.

Die beiden Seehundjungtiere unterscheiden sich nicht nur äußerlich deutlich, sondern auch vom Charakter. „Wenn Imke einen Pfleger sieht, taucht sie meistens ganz schnell unter. Rieke ist viel zutraulicher und kommt den Pflegern schon näher als ihre Halbschwester. Bei den Müttern ist es anders: Alice, die Mutter von Rieke, ist zurückhaltender und Imkes Mutter Biene ist neugieriger“, schmunzelt Wulftange. Für Max, den Seehundbullen, sind Imke und Rieke der zweite und dritte Nachwuchs. Der Bulle unterstützt die Muttertiere nicht bei der Aufzucht der Jungtiere – für Seehundmännchen ein typisches Verhalten. Die nächsten Wochen werden die kleinen Seehunde mit Schwimmen und Schlafen neben ihren Müttern sowie Milchtrinken verbringen, bevor sie dann selbständiger werden und die Anlage ohne mütterliche Unterstützung erkunden.

Quelle: PM Zoo Osnabrück