Zoo Osnabrück: Jahreshauptversammlung der Zoogesellschaft – 1 Million Besucher im letzten Jahr

Foto: Simon Pannock / zoogast.de

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Am gestrigen Dienstagabend (30.06.2015) fand die Jahreshauptversammlung der Mitglieder der Zoogesellschaft Osnabrück e.V. statt. Neben Rückblick und Ausblick sowie den aktuellen Zahlen stand auch die Wahl des Zoopräsidenten auf der Agenda.

Reinhard Sliwka, der das Amt des Zoopräsidenten seit 2013 (nach Amtsabgabe von Reinhard Coppenrath) innehat, stellte sich erneut zur Wahl. Sliwka wurde einstimmig mit zwei Enthaltungen für vier Jahre wiedergewählt. „Als Zoopräsident war und ist es mir sehr wichtig, das Vereinsleben mit Veranstaltungen wie den Zooreisen oder den Sonntagsführungen aufrecht zu erhalten“, berichtete Sliwka bei der Versammlung. „Gleichzeitig haben wir den Vereinsmitgliedern mit der Möglichkeit als Zooscout aktiv zu werden, eine neue Gelegenheit geschaffen, sich in den Zoo einzubringen.“ Die Zooscouts helfen Zoobesuchern weiter, wenn diese sich beispielsweise auf dem großen Gelände nicht zurechtfinden. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt für Sliwka: der Zoo als Bildungseinrichtung. Hier habe man viele wichtige Projekte wie „Deutsch lernen im Zoo“ weiter geführt und neue Projekte mit Kooperationspartnern wie das Inklusionsprojekt „Zoo+more“ mit der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück ins Leben gerufen. „Auch im Bereich Sponsoring war unser Geschäftsführer Andreas Busemann erfolgreich und hat allein im ersten Halbjahr 2015 circa 30 neue Sponsoren hinter den Zoo gestellt“, freut sich Sliwka. Wichtig aber sei: „Der Zoo und seine Entwicklung sind ein Gemeinschaftsprojekt mit vielen beteiligten Personen und Persönlichkeiten, von engagierten Mitarbeitern bis hin zu ehrenamtlich tätigen Personen. Nur mithilfe dieses Teams gelingt es, diesen Zoo ohne nennenswerte öffentliche Zuschüsse für die Stadt und die Region zu betreiben und weiter zu entwickeln“, betonte der alte und neue Zoopräsident.

Circa 1.003.000 Besucher in 2014

Und dieser Balanceakt sei nicht einfach, wie Andreas Busemann, Geschäftsführer der Zoo Osnabrück gGmbH, an welcher der Verein Mehrheitseigner ist, den 93 anwesenden Mitgliedern mitteilte: „Als Zoo sind wir zu 50 Prozent von witterungsabhängigen Einnahmen, also den Tagesentgelten, abhängig. 2014 hatten wir zum Glück ideale Witterungsbedingungen. Im Gegensatz zu 2013, hier herrschte eine extrem schlechte Wetterlage. Die Spannweite zwischen einem guten und einem schlechten Jahr liegt da bei circa 750.000 Euro.“ Und so konnte 2014 ein Jahresfehlbetrag von lediglich 252.900 Euro ausgewiesen werden (2013: 991.700 Euro). Die Zoogesellschaft Osnabrück e.V. konnte durch eine getrennte Bilanzierung von Zoo Osnabrück e.V. und Zoo Osnabrück gGmbH einen Jahresüberschuss in Höhe von 190.200 Euro ausweisen. Insgesamt konnte der Zoo Osnabrück damit trotz Abschreibungen in Höhe von 1.921.600 Euro den Verlust auf 62.700 Euro verringern. „Ein solches Jahresergebnis ist in der Zoobranche in der Region ohne signifikante laufende Bezuschussung nicht möglich, da Zoologische Gärten sich nicht aus sich heraus tragen“, berichtete Busemann. Von großer Wichtigkeit sei es deshalb auch gewesen „in den letzten Jahren alle Aufwandspositionen systematisch nach Einsparpotenzialen zu überprüfen. Dies war insbesondere dank der Einbindung externen Experten-Know-hows erfolgreich.“ Der Aufbau eines klassischen Liquiditätsmanagements runde die Gesamtstrategie dabei ab. „Tragende Säulen sind hier entsprechende Lieferantenabsprachen und Kontokorrentvereinbarungen mit Kreditinstituten. Große Liquiditätsschwankungen, wie sie sonst bei Saisonbetrieben üblich sind, können wir insbesondere durch die in der Nebensaison realisierten hohen Umsatzerlöse aus den Bereichen Sponsoring sowie dem Verkauf von Jahreskarten abfedern.“

Finanzierung von Nordamerika-Tierwelt steht

Ein weiteres erfolgreiches Standbein des Zoos neben dem Sponsoring sei das Fundraising, so Busemann: „Mit der Spendenaktion ‚Wir für Buschi’ konnten wir in den letzten zwei Jahren unser Spendenziel von 500.000 Euro für den Umbau des Menschenaffenhauses erreichen. Nicht nur Unternehmen und Stiftungen, sondern auch Privatpersonen und Kindergärten sowie Schulen haben für den Menschenaffen gespendet – das zeigt, wie sehr die Bürgern hinter ihrem Zoo stehen.“ Der Baustart ist für Anfang Juli geplant. Das nächste Bauprojekt ist bereits in Planung: „Die Finanzierung der Nordamerika-Tierwelt steht: Die Bürgschaft der Stadt über den kommunal verbürgten Kredit ist genehmigt worden. Wir werden in diesem Jahr noch die Pläne finalisieren und mit den Ausschreibungen starten. Der Bereich bei den Kamelen und Vogelvolieren soll dann von 2016 bis 2018 umgestaltet werden“, freute sich der Zoogeschäftsführer.

Zukunftsweisende Entwicklung des Tierbestandes

Während Geschäftsführer Andreas Busemann einen Überblick über die aktuellen Zahlen gab, berichtete Zoodirektor Prof. Michael Böer aus der Tierwelt am Schölerberg: „Wir haben in den letzten 12 Monaten für viele unserer rund 3.000 Tiere die Haltungsbedingungen verbessert: So haben unter anderem die Klammeraffen eine neue, zusätzliche Insel erhalten, die Nasenbären einen neuen Kletterparcours, die Pinguine einen neuen Landbereich und auch die Totenkopfaffen im Südamerikahaus freuen sich über mehr Platz“, berichtete Böer. Im Bereich Arterhaltung und Zucht ist der Zoo ebenfalls im Sinne der Welt-Zoo-Naturschutz-Strategie aktiv: „Wir haben einen neuen Nashornbullen in den Zoo geholt und hoffen natürlich, uns durch Nachkommen an der Arterhaltung beteiligen zu können. Auch für die Tapirgruppe konnten wir wieder ein Männchen finden.“ Die Zusammengewöhnung der 2014 eingezogenen seltenen Sumatra-Tiger habe hervorragend geklappt und man hoffe bald auf Nachwuchs. Durch den Aufbau neuer Zuchtgruppen für bedrohte Tierarten will Böer den Arterhalt unterstützen – viele der im Zoo Osnabrück lebenden Tiere stehen als gefährdet auf der sogenannten „Roten Liste“, Sumatra-Tiger beispielsweise gelten sogar als vom Aussterben bedroht. Neue Tierarten sind ebenfalls im Zoo zu vermelden: „In ‚Takamanda’ haben wir Rotbüffel mit Diana-Meerkatzen und Drills vergesellschaftet und in ‚Angkor Wat’ klettern nun Rote Pandas am Tigertempelgarten.“ Ein weiteres wichtiges Thema: Elefantenkühe für Osnabrück. Hier werde noch etwas Geduld benötigt: „Wir sind mit den entsprechenden Gremien in der europäischen Zoowelt im Gespräch. Über kurz oder lang wird hier eine Mutterlinie an den Schölerberg ziehen und hoffentlich mit unserem Elefantenbullen Luka für Nachwuchs sorgen.“

Auch über das aktuelle Thema „Zusammenlegung Zoo und Museum“ erhielten die Vereinsmitglieder Informationen. „Das Konzept, wie das Museum als GmbH ausgegliedert und betrieben werden kann, steht. Die städtische Verwaltung diskutiert es zurzeit und auch die Politik muss noch zustimmen. Der Schritt ist eine tolle Chance für das Museum, den Zoo und die Region, denn die Einrichtungen könnten stark voneinander profitieren und sich im Angebot ergänzen“, ist Zoogeschäftsführer Andreas Busemann überzeugt.

Quelle: PM Zoo Osnabrück