Zoo Osnabrück: Orang-Utan Damai lernt Mitbewohner kennen

Foto: Zoo Osnabrück/Hanna Rickert

Vor rund vier Wochen zog der 14-jährige Borneo Orang-Utan „Damai“ aus dem ungarischen Zoo Sóstó in den Zoo Osnabrück und war bislang für Besucher noch nicht zu sehen. Schritt für Schritt lernt das Männchen seine Artgenossen Buschi und Astrid kennen – anfangs getrennt durch ein Kontaktgitter. „Die Orang-Utans waren am Kontaktgitter recht entspannt – ihnen war klar, dass der jeweils andere durch das Gitter nicht zu ihnen kann“, erklärt Tobias Klumpe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Osnabrück. Damai sei dennoch sehr scheu, auch gegenüber den Tierpflegern, berichtet der Biologe weiter. „Für ihn ist hier alles neu und das verunsichert ihn natürlich.“ Um sein Verhalten besser einschätzen zu können, stellten die Zoomitarbeiter eine Videokamera auf. „So können wir aufnehmen, was Damai macht, wenn wir nicht da sind“, erklärt Klumpe.

Auf den Kontakt durch das Gitter folgte in den vergangenen Tagen das erste direkte Treffen mit Orang-Utan-Weibchen Astrid. „Bei den beiden war das erste Treffen nicht, wie man als Mensch vielleicht vermutet, eine vorsichtige Annäherung – es war eher ein Revier abstecken mit lauten Rufen. Das ist aber völlig normal und das Kennenlernen verlief gut“, so Klumpe weiter. Die beiden schwangen sich an den Kletterseilen durch die Anlage und wollten durch das Schwingen und Klettern Platz für sich einnehmen.

Kennenlernen des neuen Zuhauses
„Damit Damai sich sicherer fühlt, wenn er das nächste Mal auf seine Artgenossen treffen soll, haben wir uns entschieden, dass er erst einmal alleine die anderen Bereiche des Dschungeltempels kennenlernt“, berichtet Klumpe. Die Zoomitarbeiter öffneten dafür eine Schleuse, die von Damais derzeitigem Innenbereich in den sogenannten „Wintergarten“ führt – dem Teil der Anlage, der an die Elefantenanlage grenzt und durch Scheiben für Besucher einsehbar ist. „Orang-Utans sind ja sehr neugierig und darauf haben wir gebaut. Ein erster Erfolg war dann auch, dass Damai tatsächlich in die Schleuse ging“, freut sich der Biologe. In den kommenden Tagen wird die Schleuse regelmäßig geöffnet, um dem 14-jährigen Orang-Utan die Möglichkeit zu bieten, sein Zuhause zu erkunden. Somit könnte es sein, dass Besucher an den kommenden Feiertagen den bislang für sie noch unbekannten Zoobewohner kennenlernen können.

Damit Damai sich weiterhin gut eingewöhnt, steht der Zoo eng in Kontakt mit den Zoos, in denen Damai bislang lebte. „Wir tauschen uns zum Beispiel über Vorlieben beim Futter oder Verhaltensmuster aus“, erklärt Klumpe.

Auch mit dem Veterinäramt steht der Zoo Osnabrück in engem Kontakt. „Wie und wann wir die Orang-Utans zusammen lassen können und wann Damai für Besucher zu sehen ist, können wir noch nicht sagen. Für uns steht das Wohl der Tiere an erster Stelle und daher müssen wir immer annähernd objektiv und nur Schritt für Schritt entscheiden, je nachdem, wie Damai sich macht“, so Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer. Begleitet wird die Eingewöhnung seit dem Ankunftstag vom Fachteam des Zoos in Kooperation mit der Universität Osnabrück, Arbeitsgruppe Ethologie, Prof. Chadi Touma, und der Freien Universität Berlin, Arbeitsgruppe Vergleichende Entwicklungspsychologie, Dr. Linda Scheider. Biologiestudenten protokollieren, wie sich der Orang-Utan verhält, sodass aufgrund dieser Beobachtungen die nächsten Schritte geplant werden können.

Vom Aussterben bedroht
Der Transfer des Menschenaffen nach Osnabrück wurde auf Bitte des Zuchtbuchkoordinators der Europäischen Zoos für Orang-Utans durchgeführt. „Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht – das ist die letzte Stufe vor ‚in der Wildbahn ausgestorben‘. Daher ist die Zucht für den Arterhalt extrem wichtig“, erklärt Tobias Klumpe. „Auf Damai wird voraussichtlich im kommenden Jahr ein Weibchen aus einem niederländischen Zoo folgen, in der Hoffnung, dass so ein neues Zuchtpaar entsteht.“ Die Anzahl der Borneo Orang-Utans in der Wildbahn wird von der Weltnaturschutzorganisation IUCN auf etwa 54.000 Individuen geschätzt, die des Sumatra Orang-Utans nur noch auf 14.600. Deswegen ist es für die Arterhaltung unabhängig von der Entwicklung in der Wildbahn wichtig, neue Paare in Zoos zu bilden, sodass Nachwuchs möglich wird.

Quelle: PM Zoo Osnabrück

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