Zoo Osnabrück: Pelikan Mia per Hand großgezogen

Foto: Zoo Osnabrück/Hanna Rickert

Foto: Zoo Osnabrück/Hanna Rickert

Ein grauer Pelikan bei den Rosapelikanen im Zoo Osnabrück? Das ist Mia, ein Jungpelikan, den Tierpfleger in den vergangenen Wochen per Hand großgezogen haben. Nun lernt Mia nach und nach ihre Artgenossen kennen. An Ostern können Tierfreunde den Nachwuchs zu den langen Sommeröffnungszeiten besuchen.

Pelikan Mia kam am 4. Januar zur Welt – Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zoos, half Mia dabei die Eischale zu durchstoßen. „Das war wirklich ein tolles Erlebnis, zuerst hörten wir Mia in ihrem Ei rufen und dann gegen die Schale picken. Als sie dann raus kam und wir sie das erste Mal in der Hand hielten, war das auch für uns etwas ganz besonderes“, erinnerte sich Wulftange, als er gemeinsam mit den Tierpflegern Mia am heutigen Mittwoch den Pressevertretern vorstellte. Ganz rosa aber ohne Federn kam Mia zur Welt. Innerhalb von zwei Wochen färbte sie sich allerdings dunkelgrau. Mit großem Appetit schaufelte Mia von Anfang an ihre Fleisch- und Fischrationen mit ihrem proportional von Anfang an großen Schnabel in sich hinein. „Das war wirklich erstaunlich – sie fraß ab dem zweiten Tag ganz selbstständig. Wir brauchten ihr nur den Teller hinzuhalten und schon langte sie mit ihrem Schnabel kräftig zu“, schmunzelte Tierpflegerin Anja Unger. Bis zu sechs Mal am Tag mussten die insgesamt fünf Tierpfleger und Tierpflegerinnen aus dem Vogelrevier Mia versorgen. Das artete auch schon mal in leichten Stress aus. „Aber wir sind froh, dass uns unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Andreas Wulftange als Zuständiger für den Vogelbereich immer den Rücken gestärkt hat“, betonte Revierleiterin Kirsten Bischoff. Da es für die Osnabrücker Tierpflegerinnen die erste Pelikan-Aufzucht war, erhielten sie zusätzliche fachliche Unterstützung per Telefon von den Kollegen aus dem Berliner Tiergarten.

Pelikane sind Latschenbrüter
Dank der guten Pflege wuchs Mia sehr schnell. Nach 17 Tagen wog sie bereits 766 Gramm, nach 27 Tagen 2.980 Gramm und nach 35 Tagen 5.200 Gramm. Inzwischen bringt sie gut 11 Kilogramm auf die Waage. „Mit ihrem Gewicht musste natürlich auch ihr Zuhause wachsen, im Vogelhaus haben wir ihren Bereich hinter den Kulissen stetig erweitert. Wir haben auch dafür gesorgt, dass sie rechtzeitig anfängt zu laufen, damit Gelenke und Muskeln richtig aufgebaut werden, und schließlich benötigte sie auch immer mehr Beschäftigung“, berichtete Bischoff. Deswegen durfte Mia dann auch während der Futterzubereitung für die anderen gefiederten Zoobewohner in die Futterküche und ihren Zieheltern beim Schnippeln von Obst und Gemüse zuschauen. Dabei suchte sie immer wieder den Kontakt zu den Tierpflegern: „Pelikane sind Latschenbrüter, das heißt, ihre Jungtiere setzen sich auf die Füße der Eltern, damit es auch von unten schön warm ist. Deswegen kam Mia auch immer wieder zu uns, setzte sich auf unsere Füße und kuschelte sich an die Beine“, freute sich Bischoff.

Mia wird selbstständig
Anfang März hieß es jedoch: Ausziehen. Mia sollte nun selbstständiger werden und Anschluss an die anderen Pelikane erhalten, auch wenn die Tierpfleger sich dafür ein wenig von Mia verabschieden mussten. „Die anfängliche Prägung der Pelikane ist nicht so stark wie bei anderen Vögeln, sodass sie gut von Menschen aufgezogen und dann wieder Anschluss an ihre Artgenossen finden können“, erklärte Bischoff. Und so zog Mia am 7. März in das ehemalige Storchenhaus neben der Gaststätte um und erhielt auch gleich eine neue Mitbewohnerin, Pelikan Jenny. „Anfangs hatte Mia etwas Angst vor Jenny. Doch Jenny suchte immer wieder Anschluss und rückte Mia auf die Pelle. Schließlich hat sich Mias Nervosität gelegt und sie hat erkannt, dass es doch ganz schön ist, neben einem anderen Pelikan einzuschlafen“, freute sich Anja Unger. Damit war auch ihr bisheriger Kuschelpartner, ein brauner Plüschteddy, Geschichte. „Tatsächlich nehmen Pelikanjungtiere am Anfang gerne ein Stofftier. Mia hat sich zum Schlafen immer an ihn gekuschelt.“

An Ostern Mia besuchen
Mia ist die Tochter von Pelikanweibchen Cira und -männchen Joschka, der auch eine Handaufzucht ist. „Pelikane sind eigentlich sehr scheue Tiere. Das schöne an den von uns aufgezogenen Tieren ist, dass sie diese Scheu ablegen, aber ansonsten wie die anderen Pelikane leben und keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen. So behält man als Tierpfleger ein wenig Kontakt zu den Tieren“, erklärt Bischoff. Auf ihre wahren Eltern trifft Mia, wenn das Wetter weiterhin trocken bleibt und die Temperaturen langsam steigen. „Wir lassen dann die anderen neun Rosapelikane auf die Außenanlage und Mia zieht mit Jenny in das Pelikanhaus. Dort kann sie sich erstmal an das Haus mit kleinem Schwimmbereich gewöhnen. Und anschließend geht es natürlich zu den anderen Pelikanen nach draußen.“

Wer Mia besuchen möchte: Sie hat inzwischen Federn, allerdings graue, und ist so sehr gut zu erkennen. Momentan lebt sie noch in der Voliere rechts von der Zoogaststätte, aber bald ist sie dann auf der Pelikanwiese zu sehen. An den Ostertagen können Besucher zwischen 8 Uhr und 18:30 Uhr einen Blick auf den jüngsten Pelikan werfen. Ab Karfreitag gelten wieder die Sommeröffnungszeiten und der Zoo hat an allen Osterfeiertagen geöffnet (Kassenschluss: 17:30 Uhr). An den Feiertagen und in den Osterferien täglich erfahren Besucher von Zoopädagogen Wissenswertes zu den Zootieren – das Programm dazu ist an der Kasse erhältlich.

Quelle: PM Zoo Osnabrück