Zoo Osnabrück: Seehundnachwuchs erlernt medizinisches Training

Seehundtraining - Foto: Zoo Osnabrück

Seehundtraining – Foto: Zoo Osnabrück

Erst Flosse, dann Sprotte: Hannes in der Seehundschule
Seehundnachwuchs erlernt medizinisches Training

Auch Seehundjungtiere müssen zur Schule gehen und so erlernt der acht Monate alte Hannes im Zoo Osnabrück zurzeit das sogenannte Medical Training. Ziel der Übungen: Den Seehund an menschliche Berührungen zu gewöhnen, damit er im Krankheitsfall so stressfrei wie möglich behandelt werden kann.

Einen Eimer voll Heringe und einen Klicker in der Hand, mehr braucht es nicht, um einen Seehund zu trainieren. Seit fünf Monaten arbeitet Jenny Betian, Auszubildende im Zoo Osnabrück, nun schon mit Seehundjungtier Hannes. Beide haben in dieser kurzen Zeit viel gelernt, denn auch Betian lernt das Training im Rahmen ihrer Ausbildung zum ersten Mal kennen – angeleitet von Revierleiterin Kirsten Bischoff. „Ich trainiere zwei Mal täglich mit dem Kleinen. Küsschen und Flosse geben klappt schon sehr gut und auch die ersten Übungen mit der Targetstange, einem Zielstock, schafft er“, berichtet die Auszubildende stolz. Dabei probiert Hannes vieles aus oder schaut sich das richtige Verhalten von seinen Eltern Max und Biene oder Weibchen Alice ab. So lernt er durch Versuch und Irrtum, aber auch durch das zielgerichtete Arbeiten mit der Targetstange. Diese soll er mit seiner Nase berühren, still liegen bleiben und sich dann von seiner Tierpflegerin zum Beispiel an Bauch oder Flosse berühren lassen.

Das Wichtige: Die angewandte Lernmethode besteht nur aus positiver Bestärkung für den Seehund. „Jeder Fortschritt wird belohnt. Hat er keine Lust oder etwas falsch gemacht, wird er nicht bestraft, sondern es gibt halt keinen leckeren Fisch“, betont Betian. Der Klicker in ihrer Hand dient dabei als erste positive Bestätigung, wenn Hannes etwas richtig gemacht hat. Erst danach gibt es Sprotte oder Hering. Gleichzeitig wird auch Betian beobachtet: Revierleiterin Bischoff achtet darauf, dass die Auszubildende das Training korrekt durchführt: „Die einzelnen Bewegungen müssen deutlich und immer gleich ausgeführt werden, sonst versteht Hannes nicht, was er machen soll“, erläutert Bischoff.

Training aus medizinischen Gründen

Das Training selbst hat einen ernsten Hintergrund, wie Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Osnabrück, erklärt: „Es ist wichtig, dass Hannes sich von uns berühren lässt oder still liegt, denn nur so können wir ihn im Krankheitsfall möglichst stressfrei und ohne Narkose versorgen – sogar Spritzen können so gegeben werden.“ Zusätzlich ist das Training auch für die geistige Beschäftigung der Tiere wichtig: „Hannes hat sichtlich Spaß
neue Übungen zu erlernen. Für ihn ist es aufregend für sein Futter zu arbeiten“, berichtet Betian. Hannes gefällt das Training sogar so gut, dass er die Übungen auch durchführt, wenn der Fischeimer schon längst leer ist.

Quelle: PM Zoo Osnabrück