Zoo Osnabrück: Seelöwenbulle Enrico gestorben

Trauer Tod zoogast.deAm heutigen Montagvormittag verstarb der beliebte Kalifornische Seelöwenbulle Enrico im Osnabrücker Zoo im hohen Alter von 26 Jahren. Zuvor war bei einer Endoskopie ein Tumor an der Speiseröhre festgestellt worden.

Enrico lebte im Zoo Osnabrück mit den drei Seelöwenkühen Bella, Donna und Sana zusammen. Im Alter von 6 Jahren war er 1996 vom Zoo Dortmund an den Schölerberg gezogen. Dort wurde er schnell zum sehr beliebten „Charaktertier“ – sowohl bei Besuchern als auch bei Zoomitarbeitern. „Er war, obwohl für einen Seelöwenbullen schon wirklich beeindruckend massig, ein lieber Kerl“, so Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Osnabrücker Zoo. „In den vergangenen zwei Wochen haben seine Tierpfleger jedoch bemerkt, dass Enrico Probleme bei der Futteraufnahme hat“, beschreibt er die Symptome. Bei ersten Untersuchungen mithilfe des sogenannten medizinischen Trainings konnten Wulftange und die Tierpfleger jedoch keine sichtbaren Auffälligkeiten feststellen. Bei dem Training lernen die Tiere bei Fütterungen zum Beispiel das Maul aufzusperren oder für eine Blutentnahme stillzuhalten – so kann auf eine Narkose in vielen Fällen verzichtet werden. „Wir blickten regelmäßig in Enricos Maul, konnten aber keine Veränderungen an seinem Rachenraum feststellen. Allerdings fraß er sehr schlecht. Enrico nahm zwar den Fisch, schluckte ihn aber nicht herunter – er schien Schmerzen dabei zu haben“, so Wulftange.

Da der Bulle immer weiter abnahm, bekam er Aufbaumittel wie verschiedene Vitamine und Selen. Zudem erhielt er ein Antibiotikum und Schmerzmittel, da es ihm sichtbar nicht gut ging. „Die Vergabe von Medikamenten ist in solch einem Fall für uns keine langfristige Lösung. Deswegen entschieden wir uns eine Endoskopie bei Enrico durchzuführen, um die Ursache für seine Beschwerden zu finden“, erklärt Zootierarzt Thomas Scheibe. „Für diese Untersuchung musste Enrico jedoch narkotisiert werden. Dies ist bei Meeressäugern wie Seelöwen immer schwierig, deshalb kamen eine weitere Zootierärztin und ein Tierarzt des Tiergesundheitszentrums Grußendorf mit Helfern hinzu.“ So war ein großes Team aus Tierärzten, Tierarzthelfern, Tierpflegern und den wissenschaftlichen Mitarbeitern am heutigen Montagmorgen bei der Untersuchung am Seelöwenbecken vor Ort.

Tumor an der Speiseröhre

Bei der Endoskopie wurde ein dünnes Metallrohr mit einer winzigen Kamera am Ende in die Speiseröhre des Kalifornischen Seelöwen geführt. Mithilfe dieser Untersuchung konnten die Tierärzte die Ursache für Enricos Beschwerden finden. „Enrico hatte einen Tumor an der Speiseröhre“, erklärt Scheibe. „Da dieser hinter dem Kehlapparat lag, konnte er beim medizinischen Training nicht entdeckt werden. Über die Endoskop-Kamera konnten wir ihn aber eindeutig ausfindig machen. Der Tumor war leider inoperabel und daher entschieden wir gemeinsam, Enrico nicht aus der Narkose zurück zu holen.“ Der Zoo Osnabrück trage die Verantwortung für die Tiere, auch in derart schwierigen Situationen. Um dem Tier weitere Leiden zu ersparen, habe sich das gesamte Team dafür ausgesprochen.

Der Seelöwenbulle Enrico war Besuchern wie Zoomitarbeitern sehr ans Herz gewachsen. Mit seinem großen Körper, den langen Barthaaren und tiefen Brüllen sorgte er bei den beliebten Seelöwenfütterungen bei Kindern wie bei Erwachsenen für große Augen. „Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn Enrico noch länger gelebt hätte. Mit seinen 26 Jahren hatte er aber schon ein hohes Alter erreicht – Seelöwen können in menschlicher Obhut rund 30 Jahre alt werden. Und so große Tiere, wie Enrico, erreichen selten das Maximalalter“, so Scheibe. Enrico wird nun in der Tierärztlichen Hochschule in Hannover obduziert. Die Untersuchung kann mehrere Tage dauern.

Quelle: PM Zoo Osnabrück