Zoo Osnabrück: Umbau des Menschenaffenhauses gestartet

Foto: Zoo Osnabrück/Hann Rickert

Foto: Zoo Osnabrück/Hanna Rickert

Ein 35 Meter hoher Baukran und drei große Überseecontainer kündigen schon von weitem an: Die Bauarbeiten am Menschenaffenhaus haben begonnen. Ermöglicht wird der Umbau durch zahlreiche Zoofreunde, die sich an der Spendenaktion „Wir für Buschi“ beteiligt haben.

Der Startschuss für den Umbau des Menschenaffenhauses ist gefallen: Am vergangenen Montag stellte das zuständige Bauunternehmen H. Scholle GmbH & Co. KG einen 35 Meter hohen Baukran auf, der Besuchern den Beginn der Bauarbeiten schon von weitem ankündigt. „Bauarbeiten im Zoo sind immer etwas Besonderes“, erklärt Albert Brokamp vom Unternehmen Scholle. Der erfahrene Bauleiter hat in der Vergangenheit unter anderem den Umbau des Schweinsaffentempels sowie des Tigertempelgartens begleitet. „Das aktuelle Projekt ist zudem eine besondere Herausforderung – schließlich bleiben die Menschenaffen in ihren Anlagen wohnen und ziehen nicht um. Da müssen wir natürlich Rücksicht auf die Tiere nehmen und arbeiten deswegen in Abschnitten.“ Schwerlasten werden mit dem Kran über das Menschenaffenhaus gehoben, um die Tiere möglichst wenig zu stören und den wertvollen Baumbestand direkt neben der Anlage zu erhalten. Da die Wegesituation am Menschenaffenhaus sehr eng ist, wurde der 35-Meter-Kran in der benachbarten Elefantenaußenanlage aufgestellt. „Damit die neugierigen Dickhäuter nicht ihre Kräfte an dem Kran messen, ist er von drei Überseecontainern umstellt, die ‚elefantensicher‘ verschweißt und beschwert sind“, erklärt Brokamp weiter.

Ganzjahresbereich und viele Schwingmöglichkeiten
„Im ersten Bauabschnitt wird der Außenbereich direkt neben der Elefantenanlage in Angriff genommen. Dieser Bereich wird zu einem ‚Ganzjahresbereich‘ umgebaut“, beschreibt Detlef Gehrs, der Gestalter der neuen Anlage, das Vorhaben. „Der Abschnitt wird überdacht, komplett geschlossen und mit großen Lichtkuppeln und Fenstern versehen. Später wird eine Klapptür zum Außenbereich angebracht“, erklärt er weiter. Der Umbau des ersten Abschnitts wird voraussichtlich drei Monate dauern, die gesamten Bauarbeiten etwa ein Jahr. Auf den ersten Bauabschnitt folgen der Innenbereich, wo die Haustechnik erneuert und ein 9 mal 4 Meter großes Glasdach angebracht wird, und anschließend der Außenbereich. Hier werden der ehemalige Gibbon- und Schimpansenaußenbereich miteinander verbunden und die Kletterwände für die Baumbewohner auf 7 Meter erhöht. Parallel zu den Bauarbeiten der Firma Scholle verwandeln die Zoohandwerker alle Betonwände in eine täuschend echte Tempelruine. 2016 wird das Menschenaffenhaus dann passend zum 80. Zoojubiläum im Stil der kambodschanischen Tempelanlage „Angkor Wat“ den Orang-Utans und Weißwangenschopfgibbons sehr viel mehr Platz bieten – insbesondere im Innenbereich. Dieser vergrößert sich bei den Orang-Utans von 93 Quadratmetern auf 234 Quadratmeter. Der Außenbereich zählt dann 358 Quadratmeter anstelle von 302 und die Kubikmeter steigen durch die höheren Wände von 1059 auf 2155 Kubikmeter. Damit erfüllt der Zoo nicht nur die neuesten Auflagen zur Haltung von Säugetieren aus dem aktuellen sogenannten Säugetiergutachten, sondern geht noch weit darüber hinaus.

Tiere bleiben in Gehegen vor Ort
Dass die Menschenaffen, zwei Orang-Utans und vier Weißwangen-Schopfgibbons, während der gesamten Bauarbeiten vor Ort bleiben, sei das Beste für die Tiere, erklärt Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer. „Wir haben lange und intensiv mit dem Zuchtbuchkoordinator der Orang-Utans gesprochen, ob die Tiere für die Umbauzeit in anderen Zoos wohnen sollen.“ Doch besonders für den nicht mehr ganz so jungen Orang-Utan Buschi, der 1971 im Osnabrücker Zoo auf die Welt kam, seien Transport und Gewöhnung an eine neue Umgebung zu anstrengend. „Außerdem kennt Buschi Baugeräusche, schließlich konnte er bereits den Umbau des Schweinsaffentempels von seinem Lieblingsplatz aus beobachten. Bauarbeiten findet er sehr spannend und würde am liebsten selbst zu Hammer und Schraubendreher greifen“, schmunzelt der Zoodirektor. Wenn die Anlage abschnittweise fertig gestellt wird, können sich die sechs Menschenaffen langsam an die neue Umgebung gewöhnen.

Große Unterstützung für Orang-Utan Buschi
Da sich der Osnabrücker Zoo so gut wie selbst finanziert und auch für Investitionen keine Zuschüsse erhält, musste der Zoo kreativ werden, um den Umbau realisieren zu können. „Dank vieler Spenden können wir nun die Haltungsbedingungen der Menschenaffen weiter verbessern“, erklärt Zoogeschäftsführer Andreas Busemann. Im Herbst 2013 hatte der Zoo die Spendenaktion „Wir für Buschi“ ins Leben gerufen, von deren Erlös der Umbau mitfinanziert werden soll. „Unglaublich, wie kreativ unsere Unterstützer, Unternehmen wie Privatpersonen, waren. Das zeigt, wie sehr der Zoo und besonders Buschi den Besuchern am Herzen liegen“, freut sich Busemann. So gab es Aktionen wie „Bierchen für Buschi“ von Zoo-Partner OsnaKrause, Buschi Berliner bei der Bäckerei Brinkhege oder eine Alando-Kinderparty zugunsten von Buschi. Auch viele Spenden wie von der Sparkasse Osnabrück und der Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Land oder vom Verkehrsverein Osnabrück sowie auch von Schülern und Kindergartenkindern trafen ein, sodass bisher eine Summe von über 500.000 Euro zusammenkam. Insgesamt belaufen sich die Kosten des Umbaus auf etwa 1,4 Millionen Euro. Die übrige Summe finanziert der Zoo durch Kredite.

Quelle: PM Zoo Osnabrück