Zoo Osnabrück: Zuchterfolg bei Pelikanen

Foto: Zoo Osnabrück / Hanna Rickert

Zuerst hörten die Pfleger nur ein Piepsen, am nächsten Tag war das Jungtier zu sehen: Ende Januar schlüpfte ein Rosapelikan-Küken. Erstmals ziehen nun im Osnabrücker Zoo zwei Pelikane ihren Nachwuchs selbständig auf.

Am 30. Januar 2017 schlüpfte das Küken und ist inzwischen etwa entengroß. Dass die Eltern Joschka und Cira das Ei selbst ausbrüteten und den Nachwuchs nun auch aufziehen, ist ein großer Erfolg für die Tierpfleger. „Bisher haben unsere Pelikane noch nicht selber ihre Jungen großgezogen. Als das Jungtier dann da war und rief, war die Aufregung bei den Tieren groß. Die anderen Paare fingen sofort an, Nester zu bauen“, schmunzelt Priska Hennig-Lippe, Tierpflegerin im Vogelrevier. Auch bei den Mitarbeitern herrschte Aufregung, denn sie hörten das Küken zunächst nur. „Ein Kollege hat dann schnell das Handy gezückt und die Töne aufgenommen. Nachdem wir uns die Aufnahmen mehrmals angehört hatten, waren wir uns einig: Da ist ein Jungtier. Am nächsten Tag schauten wir dann ganz vorsichtig um die Ecke und konnten das Küken tatsächlich entdecken“, freut sich Hennig-Lippe.

Zuchterfolg nach Veränderungen
Bisher hatten die Osnabrücker Rosapelikane zwar Eier gelegt, aber diese nicht ausgebrütet. Um die Vögel in Brutstimmung zu bringen, nahmen die Zoomitarbeiter 2015 einige Veränderungen am Pelikanhaus vor: „Im rechten Bereich installierten wir UV-Lampen und veränderten das Lüftungssystem, um die Luftqualität zu verbessern. Außerdem bauten wir Trennelemente ein, damit sich die Vögel beim Nestbau besser aus dem Weg gehen können“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter und Vogelkurator Andreas Wulftange. In der Übergangszeit zwischen Herbst und Winter werden die Pelikane bei milderen Temperaturen tagsüber nicht mehr raus und abends reingelassen, denn so sei keine Brutstimmung aufgekommen. „Wir reinigen im Winter auch nur den Futterplatz und das Badebecken, den Brutraum nicht. Dort lassen wir den Pelikanen ihre Ruhe“, erklärt der Biologe weiter. „Den ersten Teilerfolg hatten wir im vergangenen Jahr, als wir das Pelikan-Küken Mia mit der Hand aufzogen – sie war der erste Nachwuchs seit 15 Jahren. Der schönste und für uns wichtigste Erfolg ist aber, dass die Rosapelikane jetzt selbständig ihre Eier brüten und ihren Nachwuchs hudern, also beschützen, und füttern.“Ein weiteres Paar brütet noch. Rosapelikane brüten einmal im Jahr und legen dabei zwei bis vier Eier.

Arbeitsteilung bei der Jungenaufzucht
Bei Pelikan-Eltern herrscht Arbeitsteilung und so kümmern sich Vater und Mutter um den Nachwuchs – sowohl beim Ausbrüten des Eis, was rund 29 bis 36 Tage dauert, als auch bei der anschließenden Aufzucht. Beim Füttern des Nachwuchses hatte Vater Joschka noch Startschwierigkeiten: „Er hat sich anfangs bei der Fütterung immer den ersten Fisch geholt, schnell runtergeschlungen und sofort wieder erbrochen – damit wollte er sein Küken füttern. Aber so schnell ist der Fisch nicht vorverdaut“, erklärt Priska Hennig-Lippe. Pelikane würgen die Nahrung als vorverdauten Brei auf ihre Füße, den die Jungtiere dann fressen. Mit wenigen Wochen können Pelikane schon kleine Fische selbständig fressen. Ausgewachsene Pelikane benötigen rund 900 bis 1.200 Nahrung Gramm täglich.

Einen Namen hat der junge Vogel noch nicht, da die Pfleger noch nicht wissen, welches Geschlecht er hat. Besucher können das Jungtier mit etwas Glück durch ein Fenster im Pelikanhaus entdecken: Dort liegt es im Nest oder erkundet auch schon sein Zuhause. Vater Joschka schlüpfte vor 16 Jahren im Osnabrücker Zoo und Mutter Cira kam 2011 aus dem Zoologischen Tiergarten Schwerin auf den Schölerberg. Beide sind ebenfalls die Eltern der im vergangenen Jahr geschlüpften Mia, die von den Tierpflegern per Hand aufgezogen wurde. Vor Mia war Joschka der letzte Pelikan-Nachwuchs am Schölerberg, er wurde allerdings ebenfalls mit der Hand aufgezogen. Joschka ist bei vielen Zoobesuchern bekannt, da er etwas zutraulicher als seine Artgenossen ist. Im Osnabrücker Zoo leben neben Joschka, Cira und dem Jungtier noch neun weitere Rosapelikane. Momentan sind die 12 Vögel für Besucher nur in ihrem Haus zu sehen, denn es gilt in Osnabrück noch die Aufstallpflicht: Bestimmte Vogelarten müssen aus Schutz vor der Vogelgrippe in überdachten, geschützten Bereichen bleiben. Die Aufstallpflicht gilt voraussichtlich bis Ende April.

Quelle: PM Zoo Osnabrück