Zoo Zürich: Das Gehege der Flachland-Viscachas wurde neu gestaltet

Flachland-Viscacha - Foto: Zoo Zürich

Flachland-Viscacha – Foto: Zoo Zürich

NEUE WOHNAMBIANCE UND ERLEBNISGASTRONOMIE
WOHNUNGSBAU IM UNTERGRUND: NEUE HÖHLEN FÜR DIE FLACHLAND-VISCACHAS

Flachland-Viscacha

Flachland-Viscachas sind die grössten Vertreter der Chinchilla-Artigen. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst hauptsächlich die Pampasregionen Argentiniens, erstreckt sich aber auch in die Tiefländer von Bolivien und Paraguay. Flachland-Viscachas sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv. Im Schutz der Dunkelheit verlassen sie ihre unterirdischen Höhlen und gehen auf Nahrungssuche. Sie ernähren sich vorwiegend von Gräsern und Sträuchern.
Viscachas graben hervorragend. Sie legen immer wieder neue Höhlen an, in welchen sie sich tagsüber verstecken. Die Höhlen sind meist nur zwei bis drei Meter lang und enden vielfach in einer Kammer. Das gesamte Höhlensystem nennt sich Viscachera. Grosse Viscacheras bestehen aus manchmal 100 Höhlen und können über Generationen bewohnt werden. Im Umfeld der zentralen Viscachera befinden sich häufig kleinere «Satelliten-Viscacheras». Diese werden als Versteck genutzt, wenn auf Nahrungsausflügen plötzlich Gefahr auftritt. Oder sie können temporär durch adulte Männchen besetzt sein.

Sozialer Nager

Viscachas sind sehr soziale Tiere und leben, abhängig vom Nahrungsangebot, auch in grösseren Kolonien zusammen. Typischerweise besteht eine solche Gruppe aus ein bis drei adulten Männchen, zwei- bis viermal so vielen, untereinander verwandten Weibchen und deren Jungen. Die Tiere pflegen sich gegenseitig, sitzen zusammen, warnen sich akustisch vor Gefahren und verteidigen ihre Viscachera gegenüber Artgenossen. Weibliche Tiere bleiben wohl zeitlebens zusammen. Männchen scheinen die Kolonie aktiv zu wechseln oder werden durch andere Männchen vertrieben. Junge Männchen verlassen ihre Kolonie spätestens nach zweieinhalb Jahren.
Die Fortpflanzung findet saisonal statt. Im Herbst finden die Paarungen statt und im Frühling werden die (meist zwei) Jungen geboren. Jungtiere bleiben die ersten zwei bis drei Monate permanent in ihrer Geburtshöhle und werden von der Mutter gesäugt. Erst danach beginnen sie, sich an den nächtlichen Nahrungsausflügen zu beteiligen.
Die Art gilt als «nicht gefährdet», obwohl durch menschliche Tätigkeiten laufend Populationen ausgelöscht werden. Lebensraumverlust infolge der Ausweitung der Landwirtschaft und der Viehzucht sowie die direkte Bejagung oder Bekämpfung mit Gift sind die hauptsächlichen Ursachen dieser Verluste. Als natürliche Feinde spielt der Puma die Hauptrolle. Daneben zählen auch die Salzkatze, der Pampasfuchs und die Abgottschlange Boa constrictor zu den potentiellen Prädatoren.

Verbesserungen in der Haltung

Herausforderungen in der Haltung dieser Art gibt es einige. Bis vor einigen Jahren hatten wir immer wieder mit Katarakten zu kämpfen. Diese krankhafte Trübung der Augenlinse wurde durch eine zu kohlenhydratreiche Ernährung verursacht. Nach der Futterumstellung auf Heu, Salat und Pellets ist dieses Symptom verschwunden.
Flachland-Viscachas werden im Zoo Zürich seit 1964 gehalten. Seither wurden über 500 Junge geboren. Allerdings ist die Jungensterblichkeit sehr hoch. Sehr oft wurden Jungtiere durch andere Gruppenmitglieder zu Tode gebissen. Dieses unnatürliche Verhalten ist über Generationen persistent. Über die Ursache dieses Fehlverhaltens wurde viel spekuliert. Die Resultate einiger Versuche in der Anlage weisen darauf hin, dass es den Tieren an genügend Rückzugsmöglichkeiten mangelte und sie dadurch gestresst waren. Diesen Winter wurde die Anlage nun angepasst und mit vielen zusätzlichen Nischen ausgestattet. Diese verfügen über eine dezente Beleuchtung und teilweise über Bodenheizung. Die Reviertierpflegerin Tanja Scheiwiller und ihr Team können die Grösse der Höhleneingänge je nach Bedarf anpassen und so allen Gruppenmitgliedern oder selektiv nur den Weibchen und Jungen oder nur den Jungtieren Einlass gewähren. Wir hoffen, so den Bedürfnissen dieser Tierart besser gerecht zu werden. Die beiden, am 30. November 2013 geborenen Jungtiere haben erfreulicherweise bisher überlebt und scheinen gut in die Gruppe integriert. Eine Verbesserung der Zuchtsituation ist aber auch dringend nötig, liegt doch der Bestand von Flachland-Viscachas in europäischen Zoos bei nicht einmal 20 Tieren.

LECKERBISSEN IM TERMITENHÜGEL:
NEUE FUTTERSTELLEN FÜR DIE GROSSEN AMEISENBÄREN

Neue Futterstellen bei den Grossen Ameisenbären

Grosse Ameisenbären gehören zu den bizarren Gestalten des Tierreiches. Ihr langes, röhrenartig verlängertes Gesicht, die mächtigen Klauen an den Vorderfüssen und der lange, fächerähnliche Schwanz sind charakteristische äussere Merkmale dieser Art. Eine Besonderheit zeigt sich im Aufbau der Wirbelsäule. Brust- und Lendenwirbel besitzen zusätzliche Gelenkpaare. Diese Nebengelenke sind typisch für Ameisenbären, Gürteltiere und Faultiere und unterscheiden diese von allen anderen Säugetierarten. In die Verwandtschaft der Ameisenbären gehören auch der Tamandua und der Zwergameisenbär.
Grosse Ameisenbären sind in Südamerika von Belize bis Argentinien verbreitet. Sie bewohnen sowohl offene, trockene Savannen wie auch feuchte, lichte Wälder. Sie sind ausgesprochene Bodenbewohner, klettern kaum, schwimmen jedoch hervorragend. Eine extreme Nahrungsspezialisierung auf Ameisen und Termiten macht eine genügend hohe Dichte dieser Insektenstaaten in den Streifgebieten der Ameisenbären nötig. Mit ihren stark entwickelten, langen Klauen (speziell die dritte Klaue) eröffnen sie die Insektenbauten und züngeln mit ihrer fast 60 Zentimeter langen, klebrigen Zunge, mit zwei bis drei Züngelbewegungen pro Sekunde, innert kurzer Zeit ein paar Tausend Insekten heraus. Da keine Zähne vorhanden sind, wird die Nahrung erst im sehr muskulösen Magen zerrieben. Der tägliche Nahrungsbedarf ist mit rund 35’000 Termiten und Ameisen gedeckt. Die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraumes trägt hauptsächlich zur Verinselung der Bestände bei und hat bereits dazu geführt, dass der Grosse Ameisenbär heute bedroht ist.
Die Haltung der Ameisenbären im Zoo Zürich ist eine Erfolgsgeschichte. Am 4. Juni 2002 kam hier der erste Grosse Ameisenbär in der Schweiz zur Welt. Seither sind elf weitere Geburten dazugekommen. Derzeit leben in Zürich die beiden Weibchen Pepita und Estella sowie Inca, welcher aus dem Zoo in Beauval (Frankreich) stammt und als neuer Zuchtmann vorgesehen ist.

Das im Zoo angebotene Ersatzfutter wird laufend weiter entwickelt. Noch vor wenigen Jahren wurden die Zooameisenbären mit einem Breimix aus Hackfleisch, Hundefutter, Quark, 5-Kornflocken, Honig, Bananen, Äpfel, Tomaten, Eier, Torf und Chitinpulver gefüttert. Heute verwenden wir ein Pulver, welches nur noch mit etwas Torf und Chitosan angereichert und mit warmem Wasser zubereitet wird. Neben dem Brei werden den Tieren auch Insekten und Joghurt angeboten. Künstliche Termitenhügel auf den Außenanlagen werden gelegentlich mit Futter bestückt und wecken so das Interesse der Ameisenbären.
Um den Tieren die Futtersuche auch in den Innenanlagen noch interessanter zu machen, konnten wir, dank der großzügigen Unterstützung der Hermann Mäder-Stiftung, einen künstlichen, einsehbaren Termitenstock erstellen lassen. In diesem werden gelegentlich Joghurt oder Insekten angeboten. Die Leckereien sind von den Innenboxen aus für die Tiere mit der Zunge erreichbar. So können die Besucher die Technik des Nahrungserwerbes in den beleuchteten Futterkammern beobachten.

Quelle: PM Zoo Zürich