Zoo Zürich: Eröffnung der neuen Lori-Voliere

Foto: Zoo Zürich, Rita Schlegel

Die erste Etappe der neuen Australienanlagen im Zoo Zürich ist fertig erstellt und für die Eröffnung bereit. Mit dem Einzug der zwanzig Allfarbloris herrscht bereits ein buntes Treiben in der Lori-Voliere.

Nebst ihren nicht gerade leisen Stimmäusserungen fallen Papageien vielfach durch ihr farbenfrohes Gefieder auf. Das ist auch der erste Eindruck, den die Allfarbloris abgeben: Vögel in leuchtenden Farbe, die die englische Bezeichnung «rainbow lorikeet» bestens nachvollziehbar machen.

Loris sind eine fünfzig bis sechzig Arten umfassende Unterfamilie der eigentlichen Papageien, die in Australasien beheimatet ist. Der Allfarblori – je nach Systematik werden um die 25 Unterarten unterschieden – weist die grösste Verbreitung auf. Die in der Lori-Voliere gezeigte Form findet man im Osten und Südosten Australiens sowie in Tasmanien. Seit den 1970-er Jahren entwickelt sich zudem ein Bestand um die westaustralische Stadt Perth.

Allfarbloris bewohnen so unterschiedliche Lebensräume wie Regenwälder, trockene Eukalyptuswälder, Mangrovenwälder oder Gärten, Parkanlagen und urbane Bereiche. Sie halten sich dabei insbesondere in den Randbereichen auf und scheinen eine Vorliebe für gestörte Vegetationseinheiten zu haben. Das illustriert ihre Anpassungsfähigkeit, die auch in der Nutzung neuer Futterquellen wie eingeführte Pflanzen oder Obstkulturen zum Ausdruck kommt.

Auf weiche Nahrung spezialisiert
Während sich viele Papageien von «harter» Nahrung wie Nüssen und Sämereien ernähren, sind Allfarbloris eigentliche «softies»: Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Nektar, Pollen, Blüten, Beeren und weichen Früchten. Als Nahrungsspezialisten haben sie eine mit feinen, pinselartigen Papillen ausgestatte Zunge, mit der sie gleich einem Schwamm Nektar und Früchtebrei aufnehmen können. Als Blütenbesucher – und hier helfen ihnen ihre ausgezeichneten Kletterkünste, selbst an feinen Ästen hängende Blüten zu erreichen – tragen sie auch über grössere Entfernungen zur Bestäubung der Blüten bei.

Die Abhängigkeit von Blüten macht die Allfarbloris auf der Nahrungssuche zu nomadisierenden Vögeln. In Schwärmen von bis zu mehreren hundert Tieren ziehen sie umher und werden insbesondere in Gärtnereien und Obstplantagen als «Schädlinge» gefürchtet. Sie profitieren zum Teil von der «Vorarbeit» anderer ungebetener Plantagenbesucher: Flughunde öffnen mit ihren Zähnen die derbe Haut von Mangos und machen so das Fruchtfleisch der feinen Zunge der Loris zugänglich.

Für Besucher zugänglicher Flugraum
Die neue Lori-Voliere gliedert sich aus der Sicht der Vögel in drei Teile: Im Hintergrundbereich gibt es Volieren, die den Vögeln als Rückzugsbereich dienen oder bei Bedarf für die Abtrennung einzelner Vögel genutzt werden können. Den Flugraum von 73 Quadratmetern, erstellt im Stile eines Gewächshauses, teilen die Vögel partiell mit den Besuchern, die eine Besucherplattform betreten können. Zwei Pflanzeninseln sind in diesem Raum vor dem Zugriff der Vögel geschützt. Weitere Pflanzen sind, um Erfahrungen sammeln zu können, im Härtetest den Vögeln ungeschützt zugänglich. Den dritten Teil bildet die längliche, 81 Quadratmeter messende Aussenvoliere.

Die Lori-Voliere wird autonom mit einer Erdsondenwärmepumpe beheizt. Ein Teil des Energieverbrauchs der Anlage wird über eine Photovoltaikanlage abgedeckt.

Lorifütterung als neues Besuchererlebnis
Allfarbloris lernen schnell, in kleinen Schalen angebotenen Nektar aufzunehmen. Dies wird für ein besonderes Besuchererlebnis genutzt: Besucher können den Loris unter Aufsicht Nektar anbieten und so aus nächster Nähe die Schönheit der Vögel geniessen und beobachten, wie sie den Nektar mit ihrer pinselartigen Zunge aufnehmen. Die vom Freiwilligenteam FTZ betreuten Lorifütterungen finden statt jeweils Mittwoch, Samstag, Sonntag, an Feiertagen und während den Stadtzürcher Schulferien um 10 und 13.30 Uhr, soweit die Vögel am angebotenen Futter Interesse haben.

Tiere aus Zoo Duisburg
Haben sich zwei Paarpartner gefunden, leben Allfarbloris in lebenslanger oder monogamer Einehe. Als Brutplatz dienen Baumhöhlen. Hier werden 2 bis 3 Eier während rund 25 Tagen bebrütet. An der Jungenaufzucht beteiligen sich beide Elternteile. Die Nestlingszeit dauert etwa zwei Monate.
Die zwanzig Allfarbloris, die die neue Lori-Voliere bewohnen, stammen aus der Brutkolonie des Zoo Duisburg. Bereits während der obligaten Quarantäne wurden erste Fütterungsversuche mit von Hand angebotenen Nektarschälchen gemacht, was bei den neugierigsten Vögeln schon mal auf Interesse stiess. Diese Fütterungstechnik wurde auch bei der Eingewöhnung im neuen Haus fortgeführt. Als neuer Lebensraumfaktor kommen nun noch die Besucher ins Spiel – wir sind gespannt, wie schnell sich die Vögel auf den angebotenen Nektar konzentrieren werden.

Legate ermöglichen Bau der Lori Voliere
Neue Tieranlagen kann der Zoo Zürich nur dank grosszügigen Gönnern finanzieren. Die Mittel von rund 1.5 Millionen Franken für die Lori-Voliere stammen von verschiedenen Legaten, die der Zoo Zürich in den letzten Jahren erhalten hat.

Gesamteröffnung Australienanlage 2018
Die Eröffnung der neuen Lori-Voliere markiert die erste Etappe auf dem Weg zur Australienanlage. Sie entsteht an Stelle des bisherigen Afrikahauses, das in seinen markanten denkmalgeschützten Grundstrukturen erhalten bleibt. Die Australienanlage wird zu einem Lebensraum für Tiere aus Australien wie etwa Koala, Känguru, Emu und Waran und ist gekoppelt mit einem Artenschutzprojekt in Australien. Die Gesamteröffnung erfolgt im Frühjahr 2018.

Quelle: PM Zoo Zürich

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