Zoo Zürich: Neue, begehbare Voliere für Rote Ibisse, Kahnschnäbel und Rotschulterenten

Roter Sichler - Foto: Zoo Zürich

Roter Ibis – Foto: Zoo Zürich

FREIE SICHT AUF ROTE VÖGEL
Neue, begehbare Voliere für Rote Ibisse, Kahnschnäbel und Rotschulterenten

Nach der Umgestaltung des gesamten Eingangsbereiches und dem damit verbundenen Umzug der Chile-Flamingos ins Pantanal war es dem Zoo ein Anliegen, dem Besucher direkt nach dem Eintritt in den Zoo weiterhin ein farbliches, tierisches Highlight bieten zu können. Dafür eignen sich die Roten Ibisse hervorragend. Diese scharlachroten Vögel sind sehr attraktiv und bilden ein würdiges Empfangskomitee für unsere Besucher. Die neu errichtete Vogelvoliere erstreckt sich nun entlang des Exotariums auf einer Grundfläche von 200 Quadratmetern. Die metallenen Baumstützen erreichen eine Höhe von bis zu 8,5 Meter.

Die Gestaltung der Voliere ist dem natürlichen Habitat nachempfunden und soll die Bedürfnisse der Vögel möglichst gut befriedigen. Viele Sitz- und Brutmöglichkeiten in der Höhe, flache, gut zugängliche Teiche mit Stocher-Arealen oder auch genügend Luftraum zum Fliegen gehören da dazu. Drei Geweihbäume wachsen aus der Voliere hinaus und sorgen zukünftig für Schattenplätze und angenehmes Klima. Neu haben die Besucher die Möglichkeit, das Habitat der Vögel zu betreten und die Tiere ohne Abtrennung zu erleben.

Nachdem wir 2012 einen Beitrag von zwei Millionen Franken für die edukativen Elemente im Kaeng Krachan Elefantenpark von der Tiergarten-Gesellschaft Zürich TGZ erhielten, freuen wir uns sehr, dass uns der Freundeverein wieder mit einem großen Beitrag unterstützt hat und diese begehbare Voliere schenkt.

Roter Ibis

Rote Ibisse leben gesellig in Schwärmen von oftmals mehreren Dutzend Tieren in den Feucht- und Küstengebieten von Kolumbien bis Brasilien. Ihr Bestand wird auf über 150‘000 Tiere geschätzt und die Art ist deshalb als «nicht gefährdet» eingestuft.
Typisch für die Gruppe der Ibisse ist der lange, sichelförmig nach unten gebogene Schnabel. Mit diesem Werkzeug lässt sich hervorragend im feuchten Schlick nach Essbarem suchen. Gefressen werden vor allem Insekten, Krebse, Muscheln, Schnecken und Würmer. Ihre typische, scharlachrote Färbung verdanken die Vögel übrigens den Pigmentstoffen in den Schalen der Krebse. Die Farbstoffe werden während des Wachstums der Federn in diesen eingelagert. Im Zoo wird das Astaxanthin, ein Carotinoid, welches den Hauptbestandteil der roten Pigmentation ausmacht, übers Futter verabreicht. Jungvögel sind anfänglich bräunlich gefärbt und erscheinen erst nach zwei bis drei Jahren, nach Erreichen der Geschlechtsreife, im arttypischen Rot.
Rote Ibisse sind Koloniebrüter. Nach dem Balzritual der Hähne formieren sich die Paare und der Nestbau beginnt. Die Nester sehen vielfach etwas nachlässig gebaut aus und sind es manchmal auch. Typischerweise werden nur ein paar Ästchen zu einer losen Plattform zusammengefügt. Die meist ein bis drei Eier werden gut drei Wochen bebrütet. Beide Elternteile beteiligen sich danach an der Aufzucht der Jungvögel. Die Zucht der Roten Ibisse im Zoo Zürich ist eine sehr erfolgreiche. Seit dem Beginn der Haltung der Art 1953 sind bereits 102 Küken geschlüpft. Die derzeitige Gruppe ist aus eigenen Nachzuchten und Vögeln aus Dänemark, Holland und Deutschland zusammengesetzt.

Kahnschnabel

Der Kahnschnabel ist ein Vertreter der Nachtreiher. Sein Verbreitungsgebiet deckt sich mit demjenigen des Roten Ibis, geht aber noch viel weiter über dieses hinaus. Es erstreckt sich von Mexiko über ganz Mittelamerika bis nach Brasilien und umfasst praktisch alle Küsten- und Flachlandhabitate.
Typisch für die Gattung – aber eigentlich untypisch für einen Reiherartigen – ist die groteske Schnabelform. Der Schnabel ist breit und kurz und eignet sich nicht fürs Stochern im Boden. Reiher sind Lauerjäger und warten über dem Wasser auf günstige Gelegenheiten, um dann blitzschnell nach Beute zu schlagen. Auf dem Speisezettel stehen Fische, Krebse, Insekten, Amphibien und kleine Säugetiere.
Während der Balz trägt der Hahn seine Federhaube zur Schau. Gleichzeitig begegnen sich beide Geschlechter mit dem Klappern des Schnabels. Kommt es zu einer Einigung, wird auch hier ein einfaches Nest gebaut, auf mittlerer Höhe in grossen Bäumen. Und nicht selten in Nachbarschaft von Roten Ibissen. Die zwei bis vier Eier werden ca. 26 Tage bebrütet.
Eine gewisse Unsicherheit besteht derzeit in Bezug auf die verschiedenen Unterarten der Kahnschnäbel, welche in den Zoos gehalten werden. Die Unterscheidung aufgrund farblicher und morphologischer Merkmale ist schwierig, da diese nicht immer eindeutig sind. Genetische Untersuchungen werden nötig sein, um hier Klarheit zu schaffen.
Kahnschnäbel werden im Zoo Zürich seit 1955 gehalten.

Rotschulterente

Die Rotschulterente bewohnt die Überschwemmungslandschaften des zentralen Südamerikas (Brasilien, Argentinien, Bolivien, Paraguay, Uruguay). Die Rotschulterente galt stets als selten, da sie meist in sehr geringer Dichte vorkommt. Zur Mitte des letzten Jahrhunderts wurde sogar vermutet, dass sie ausgestorben sei. Dies konnte jedoch klar widerlegt werden. Die Art gilt heute als «nicht gefährdet». Rotschulterenten sind unter guten Bedingungen sehr produktiv. Zwei bis drei Gelege mit jeweils über zehn Eiern sind pro Saison möglich.

Spielplatz Pantanal

Den Abschluss der Umbauten im Eingangsbereich macht der Kinderspielplatz Pantanal. Einerseits war der alte Spielplatz aus Sicherheitsgründen überholungsbedürftig, andererseits wollten wir ihn wie den Insektenspielplatz beim Zoolino thematisieren. Auch hier geht es darum, sich als kleines Wesen in der Natur zu bewegen: Keiner zu klein, eine mutige Termite zu sein! Wir haben diesen neuen Erlebnisspielplatz für unsere jüngsten Zoofans gebaut. Überdimensionale Gräser und Pilze und ein riesiger Termitenhügel empfangen die Kinder in der Welt der Insekten auf der Terrasse des Restaurant Pantanal. Auf die Eltern wartet die einladende Terrasse mit freiem Blick auf ihre spielenden Kinder.

Quelle: PM Zoo Zürich