Zoo Zürich: Schneeleoparden-Zwillinge OKARA und ORYA bereiten sich auf den „Ernst des Lebens“ vor

Okara und Orya  - Foto:  Zoo Zürich / Peter Bolliger

Okara und Orya – Foto: Zoo Zürich / Peter Bolliger

Die 5½ Monate alten Schneeleoparden-Zwillinge OKARA und ORYA im Zoo Zürich bereiten sich auf den «Ernst des Lebens» vor. Dabei zeigt sich, dass die Schwestern im Charakter ganz unterschiedlich sind. Schneeleoparden gelten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet im zentralasiatischen Hochland als stark gefährdet. Wilderei, Lebensraumverlust und die Nachfrage nach Fell, Knochen und anderen Teilen der Grosskatze haben die Population in den letzen 16 Jahren um mindestens 20 Prozent schrumpfen lassen, auf aktuell etwa 5000 Tiere. In europäischen Zoos werden rund 200 Schneeleoparden gehalten und im Rahmen eines Europäischen Erhaltungszuchtprogramms gezüchtet.
Im Zoo Zürich leben derzeit die 14-jährige DSHAMILJA, der 11-jährige VILLY und deren Nachwuchs. Kater VILLY stammt aus dem Zoo Tallin und ist seit dem Jahr 2006 im Zoo Zürich. DSHAMILJA wurde als Jungtier von Wilderern in Kirgistan in einer Falle gefangen. Sie kam 2001 nach ihrer Beschlagnahmung durch Wildhüter über einen deutschen Wildpark nach Zürich. Durch ihre Herkunft bringt DSHAMILJA neues Blut in die Zoopopulation der Schneeleoparden. Ihre Jungtiere sind deshalb wichtig und sehr willkommen.
Als DSHAMILJA am 3. Mai dieses Jahres gleich zwei kleine Schneeleoparden zur Welt brachte, war die Freude sogar sehr gross. Mit mehr als 14 Jahren ist DSHAMILJA nämlich eines der älteren Weibchen im Zuchtprogramm. Dass sie in diesem Alter nochmals Junge bekommen würde, war nicht zu erwarten. Und auch biologisch ist es eher ungewöhnlich.

Zwei ungleiche Schwestern
In ihrem sechsten und vermutlich letzten Wurf gebar DSHAMILJA zum ersten Mal Zwillinge: die beiden Weibchen OKARA (Ort in Pakistan) und ORYA (sibirischer Vorname). Die ersten Wochen verbrachten Mutter und Nachwuchs in der Wurfbox. Vater VILLY pflegt ein inniges Verhältnis zu DSHAMILJA und besuchte die Familie häufig. Seit Anfang Juli sind die beiden Jungtiere nun zusammen mit Mutter und Vater auf der grossen Aussenanlage unterwegs und erkunden aufmerksam und neugierig ihre Umgebung.
Wer Tiere kennt, wird Tiere schützen.
Schon bei der ersten Impfung zeigte sich der unterschiedliche Charakter der beiden Jungtiere deutlich. Während ORYA eher scheu und zurückhaltend ist, hat es OKARA faustdick hinter den Ohren und lässt sich ungern gefallen, was ihr nicht passt. Als sie vom Tierarzt untersucht, geimpft und gewogen wurde, fauchte und knurrte sie etwa lautstark. Und auch auf der Aussenanlage ist der Unterschied im Verhalten der beiden Schwestern gut erkennbar. OKARA verfolgt scheinbar furchtlos jedes fallende Blatt im Gehege, jede Bewegung. ORYA ist nicht minder interessiert, schaut sich das Geschehen zuerst aber lieber aus sicherer Deckung an.
Im Spiel hingegen ist jede Zurückhaltung vergessen: Die beiden Schwestern balgen sich, machen waghalsige Luftsprünge und schleichen sich lautlos an ihre vermeintliche Beute heran. Dieses Spiel ist wichtig für die Entwicklung der beiden Jungtiere. Sie testen so ihre Stärke, lernen, sich zu behaupten und zu jagen und üben die sichere und schnelle Fortbewegung im steilen und felsigen Gelände. All dies sind wichtige Eigenschaften für einen erwachsenen Schneeleoparden.
Schneeleoparden-Jungtiere werden ungefähr vier bis fünf Monate lang gesäugt. Bereits im Alter von sieben bis acht Wochen beginnen sie aber, feste Kost aufzunehmen und nagen an Knochen und Fleischstücken. Die beiden Schneeleopardenmädchen im Zoo Zürich sind mittlerweile weitgehend entwöhnt und machen sich gegenseitig das Fleisch streitig. Mutter DSHAMILJA schaut dem Treiben gelassen zu und überlässt den beiden die besten Fleischstücke.
Für den Winter sind die Schneeleoparden bestens gerüstet. Ihr dichtes Fell schützt sie vor tiefen Temperaturen und die breiten Pfoten wirken im Schnee wie Schneeschuhe. In der Wildnis bleiben Jungtiere sicher im ersten und manchmal auch den zweiten Winter über bei der Mutter, also rund anderthalb bis zwei Jahre. Auch OKARA und ORYA werden ungefähr zwei Jahre im Zoo Zürich aufwachsen. Dann werden sie auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms in einen anderen europäischen Zoo übersiedeln.

Quelle: PM Zoo Zürich