Zwei neue Dschelada-Männer ziehen in der Wilhelma ein

Dschelada-Mann Haryon – Foto Wilhema

Noch mehr neue Chefs in der Wilhelma:
Zwei neue Dschelada-Männer im Felsenrevier

Nicht nur der Zoologisch-Botanische Garten Wilhelma insgesamt hat aktuell einen neuen Chef bekommen – auch bei den Dscheladas bzw. Blutbrustpavianen auf der Felsenanlage gab es einen Stabswechsel. Bei dieser Affenart aus den Hochgebirgen Äthiopiens sind allerdings gleich zwei neue potenzielle Oberhäupter eingezogen: die beiden 2007 in Zürich geborenen Pavianmänner „Hope“ und „Haryon“. Ihre Macht ist bislang aber keineswegs gefestigt. Vielmehr müssen sie sich als neue Haremschefs erst bewähren und die Weibchen für sich gewinnen.
Mit einem Alter von rund sieben Jahren und einer Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren gelten sie zwar noch als junge Männer. Doch mit ihren Mähnen, großen Eckzähnen und roten Brustflecken sind auch Hope und Haryon schon recht stattliche Blutbrustpaviane. Den etwas älteren Hope erkennt man an dem üppigeren Fellmantel und einem fehlenden großen Eckzahn. Haryons Haartracht ist rund um den Kopf und am Rücken noch spärlicher, wodurch er etwas kleiner wirkt. Seit Dezember sind die beiden nun in der Dscheladagruppe auf der Felsenanlage, wo sie in die Fußstapfen zweier Männer treten sollen, die hier von 2009 bis Mitte 2013 erfolgreich für Nachwuchs sorgten. Der Grund für den Wechsel: Um Inzucht in den Pavian-Harems – „Harems“ nennen Zoologen Sozialstrukturen mit einem oder zwei Männchen und vielen Weibchen – zu vermeiden und eine gesunde genetische Vielfalt zu sichern, tauschen die Zoos nach Empfehlungen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms regelmäßig Tiere aus, bei Pavianen auch die Männer. Dabei gehören die aktuell 36 Wilhelma-Dscheladas zu den wichtigsten Zuchtgruppen in Europa – zumal die Art in ihrer Heimat Äthiopien stark bedroht ist und die Nachzucht in Zoos für sie überlebenswichtig werden könnte.
Auch Hope und Haryon sollen künftig zur Arterhaltung beitragen und ihre Gene weitergeben. Noch ist aber offen, ob beide zum Zug kommen werden. Denn bei Blutbrustpavianen herrscht „Damenwahl“ – die Weibchen entscheiden, welchem Mann sie sich anschließen. Finden beide Männer weibliche Fans, wird sich die Gruppe in zwei Clans aufspalten. Diese können unter geklärten Verhältnissen aber weiter gemeinsam auf der Anlage leben, die sie sich überdies mit Mähnenschafen und Klippschliefern teilen. Auch in der Natur wechseln die Pavian-Oberhäupter regelmäßig und auch dort bringt dies anfangs viel Unruhe in eine Gruppe. Nicht selten töten die neuen Machthaber den Nachwuchs ihrer Vorgänger, um ihre eigenen Gene schneller verbreiten zu können – solche Infantizide kommen auch bei Gorillas oder Löwen vor. In der Wilhelma-Gruppe gibt es derzeit ebenfalls häufig Zoff: Bis der Clan sich neu formiert hat und wieder Ruhe einkehrt, können Monate vergehen. Immerhin sind bisher keine Verluste unter den aktuell 13 Ein- bis Zweijährigen zu beklagen, erste Infantizid-Versuche konnten die Weibchen vereiteln – eine Garantie für die Zukunft ist das nicht. Auffällig: Während an kalten Tagen die Tiere stärker zusammenkuscheln und weitgehend Friede herrscht, drängen an wärmeren Tagen die ungelösten Konflikte wieder stärker ans Licht, die Streitigkeiten nehmen zu. Auch die Strategien von Haryon und Hope unterscheiden sich: Während sich Hope offensiver ins Zeug legt und er sich bei den Weibchen durch Lippenschmatzen und via Fellpflege einzuschmeicheln versucht, hält sich Haryon bislang mehr zurück, beobachtet in Ruhe und trägt hin und wieder sogar den Nachwuchs spazieren. Ob das eine besondere Masche von ihm oder nur sein Eroberungswille geringer ist, wird sich zeigen.

Quelle: PM Wilhelma