Tierlexikon: Zweifingerfaultier

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto: M. Schmid / zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Choloepus didactylus
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch Guiana, Guyana, Peru, Suriname, Venezuela
Lebensraum:
Regenwälder
Gattung:
Eigentliche Zweifingerfaultiere
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Das Zweifingerfaultier wird auch Unau oder seltener Zweizehenfaultier genannt. Es lebt als Einzelgänger und ist dämmerungs- und nachtaktiv. Das Eigentliche Zweifingerfaultier schläft etwa 15 Stunden am Tag, Forscher glauben, dass das mit der Verdauung zusammen hängt. Eigentliche Zweifingerfaultiere hangeln sich im Zeitlupentempo von Baum zu Baum, die langsame Geschwindigkeit ist wahrscheinlich eine Tarnung vor Raubtieren.
Eigentliche Zweifingerfaultiere ernähren sich von Blättern, Trieben und Früchten, die sie mit ihren rauen Lippen abreißen, da sie keine Schneidezähne haben. Wenn die Jungtiere beginnen feste Nahrung zu sich zu nehmen, kaut ihnen die Mutter die Pflanzen zunächst vor. Dadurch erhalten die Kleinen Bakterien, die ihnen bei der Verdauung helfen. Auf diese Weise bilden die Jungtiere auch eine Vorliebe für bestimmte Blätter aus, was dazu führt, dass jedes Eigentliche Zweifingerfaultier seine eigenen Vorlieben hat und die Tiere dadurch nur sehr wenig Konkurrenzverhalten beim Fressen zeigen. Deswegen können sie auch sehr viele Eigentliche Zweifingerfaultiere auf wenig Raum zusammen leben.
Obwohl Eigentliche Faultiere sehr friedfertig und gutmütig wirken, sind durchaus in der Lage sich zu verteidigen. Mit ihrem starken Kiefer können sie stark zubeißen und dabei glatt den Fingerknöchel eines Menschen zertrümmern. Auch ihre Krallen sind gefährliche Waffen. Sie können damit erstaunlich schnell und stark zuschlagen.

Spezialist im „Abhängen“

Das Eigentliche Zweifingerfaultier hat eine einzigartige Lebensweise an die sich sein Körper im Lauf der Zeit immer besser angepasst hat. Die Tiere verbringen fast ihr ganzes Leben nach unten hängend auf den Bäumen. Auf den Boden kommen sie nur wenn sie abstürzen, oder um Kot abzusetzen. Aber Eigentliche Faultiere müssen nur etwa einmal pro Woche auf die Toilette.
Sie haben zu sichelförmigen Krallenhacken verwachsene Finger und Zehen. Diese dienen zur Verteidigung und zum Festhalten beim Hangeln. Die beiden „Krallen“ waren auch namensgebend. Wenn sie sich fort bewegen, verankern sie sich immer mit drei Armen und Beinen, während sie mit der vierten einen neuen Halt suchen. Eine Besonderheit des Eigentlichen Zweifingerfaultiers ist der Scheitel. Bei allen anderen Säugetieren verläuft der Scheitel über den Rücken, normalerweise entlang der Wirbelsäule, beim Eigentlichen Zweifingerfaultier verläuft er über den Bauch. Das ist ein Vorteil, da es ja fast sein ganzes Leben an Ästen hängend verbringt und so das Regenwasser besser ablaufen kann. Durch das ablaufende Wasser bilden sich Algen im Fell der Tiere und ermöglichen ihm damit eine gute Tarnung in den Bäumen. Die Muskulatur in den Beinen des Eigentlichen Zweifingerfaultiers ist soweit zurück gebildet, dass sich die Tiere auf dem Boden schon nicht mehr auf allen Vieren fort bewegen können.
Auch die Geburt ist bei den Eigentlichen Zweifingerfaultieren auf diese besondere Lebensweise abgestimmt. Das Junge kommt mit dem Kopf voraus zur Welt und wird von der mit Krallen aus dem Geburtskanal gezogen, dann klettert das Kleine auf den Bauch der Mutter.