Wilhelma: Geburten bei seltenen Dscheladas und Mähnenspringern

Foto: Wilhelma Stuttgart

Auf den Fußwegen der Wilhelma herrscht durch die Besucherzahl-Begrenzung wegen Corona gerade weniger Betrieb. Für die Gehege gilt das dagegen nicht. Im Gegenteil: In einer der quirligsten Tiergemeinschaften des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart geht es derzeit noch turbulenter zu als sonst. Die Affenbande der Dscheladas ist von Ende Februar bis Ende April durch gleich siebenfachen Nachwuchs um ein Drittel von 22 auf 29 Tiere gewachsen. Auch bei den Mitbewohnern der Afrika-WG, den Mähnenspringern, gab es im April zwei Geburten. Mit den beiden Lämmern springen jetzt 19 der Hornträger über die Felsenanlage. Die fünf kleinen Klippschliefer betrachten das Gewimmel mit der ihnen typischen Gelassenheit.

Bei den Dscheladas hat damit der Wechsel der Haremschefs vom vergangenen Sommer jetzt gleich das erste Mal Frucht getragen. Ihre beiden Vorgänger hatten als Zuchtmänner in der Wilhelma seit 2014 zahlreiche Kinder hinterlassen und zogen deshalb in andere Zoos weiter: Haryon in den Yorkshire Wildlife Park in England und Hope in den Zoologischen Garten in der Zitadelle von Besançon in Ostfrankreich. Ihre Nachfolger Achim und Johann kamen aus dem NaturZoo im westfälischen Rheine, der für seine erfolgreiche Dschelada-Zucht bekannt ist. Rheine und Wilhelma zählen zu den Säulen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für diese Affenart, die in der Natur immer seltener wird. In der Wildnis lebt sie im Hochland von Äthiopien in 1800 bis 4400 Metern Höhe auf Gebirgswiesen und in Felsschluchten, wo sie sich vor allem von Gräsern und Samen ernährt. Ihr geschätzter Wildbestand von 200.000 Tieren geht seit den 1970er Jahren zurück – nicht zuletzt wegen der immer häufigeren Dürren in der Region am Horn von Afrika.

In Stuttgart hat nun wohl vor allem Achim ganze Arbeit geleistet. Denn ihm folgen die meisten Weibchen. Während die Männer, die an ihrem eindrucksvollen Poncho-artigen Fellmantel gut zu erkennen sind, an der Spitze der Gruppe stehen, sind es doch die Weibchen, die entscheiden, wem sie sich anschließen. Und da hat der etwas ältere Achim mit seinen sieben Jahren und vier Monaten offenbar einen Beliebtheitsvorsprung gegenüber dem sechseinhalb Jahre alten Johann, der öfter abseits sitzt.

Die sieben Mütter haben derweil alle Hände voll zu tun. Entweder sie halten die Säuglinge vor der leuchtend roten nackten Brust, die den Dscheladas auch den Namen Blutbrustpaviane einträgt, oder sie tragen sie unter dem Bauch, wenn sie ihre Sprösslinge über Stock und Stein transportieren. Die schon etwas Älteren unter den Jüngsten reiten inzwischen manchmal auf dem Rücken der Mutter. Je aktiver die Kleinen werden, je selbstständiger deren Ausflüge und je kühner die Turnübungen werden, desto mehr sind die Mütter bemüht, sie im Griff zu behalten: oft im Wortsinne, dann halten sie ihre Sprösslinge am Schwanz an der kurzen Leine.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart

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